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  • Martina Hirte-Schwab

Bücher meines Lebens, "Tistou mit den grünen Daumen", Maurice Druon


Das ist übrigens mein speckiges, abgegriffenes Exemplar von 1975


"Tistou mit den grünen Daumen", Geschrieben von Maurice Druon, Illustriert von Jacqueline Duhème



Mein Lieblingsbuch. Für immer. Schon immer.


Ich habe es schon unzählige Male gelesen und liebe es noch immer.

Als junges Mädchen, als ich noch von nichts eine Ahnung hatte und mich mit Tistou identifizieren konnte, das erste Mal. Als Teenager und junge Erwachsene, noch nicht viel schlauer, aber dafür ums lebenslustiger, wieder und wieder. Und auch jetzt als Mama, mit noch einmal einem ganz anderen Blick darauf.


Meiner Meinung nach ist es mit dem kleinen Prinzen vergleichbar, nur besser. Es wundert mich sehr, dass es nicht genauso bekannt ist, oder sogar bekannter.


Denn auch dieses Buch ist ein Kinderbuch, das man erst als Erwachsener vollständig versteht. Es ist ein Märchen. Es enthält Sätze und Weisheiten, die die Seele berühren.


Und zum guten Schluss, es ist auch relativ schnell zu lesen.



Text Buchumschlag


„Tistou kommt in einem wunderschönen Haus zur Welt, denn sein Vater ist ein reicher Waffenfabrikant; Tistou soll die Fabrik einmal erben. Aber Tistou ist ganz anders als andere Kinder. Das hat man auch gleich in der Schule gemerkt und ihn wieder nach Hause geschickt. Nun soll der Gärtner (und der Direktor der Firma) den Unterricht übernehmen. Da entdeckt Tistou etwas ganz Sonderbares: Er hat grüne Daumen! Was er mit ihnen berührt, verwandelt sich in grüne Pflanzen. Nun hat Tistou viel zu tun: Er kann die ganze Welt verändern, und er tut es auch.“



Meine Zusammenfassung


Schon auf den ersten Seiten geht es um „vorgefasste Meinungen“ von Erwachsenen und das es für sie schwer ist, etwas anderes zu akzeptieren oder zu verstehen.


Vernunft und Tradition sind wichtiger als Gefühl und Liebe.


Um Tistou herum ist alles perfekt und spiegelblank. Sein Aussehen, das Aussehen der Eltern, der Garten, das Haus bis zu den Türknäufen.


Durch Tistous Besonderheit, die grünen Daumen, ist er direkt wieder anders als andere Kinder. Und wir lernen in diesem Buch erstmal, das es immer schlecht ist, anders zu sein als andere. Das weckt Misstrauen und Neid. Am besten man ist so wie alle anderen und tanzt ja nicht aus der Reihe.


Für Gesetz und Ordnung in Tistou Erziehung wurde Hr. Trommelpfiff eingesetzt; Mr. Papas Vertrauter in der Waffenfabrik. Dieser nahm seine Aufgabe sehr ernst und meinte Tistou auf den Ernst des Lebens vorbereiten zu müssen, also stand das für Ihn wichtigste Gebäude als erstes auf der Liste: das Gefängnis.


Tistou kann nicht verstehen, dass ein Ort, an dem Menschen von ihrer Bösartigkeit geheilt werden sollten so traurig und hässlich aussehen kann – das machte ihn selbst ganz traurig. So traurig, dass er beschließt seine grünen Daumen einzusetzen, um das Gefängnis für die Gefangenen ein wenig schöner zu machen. Denn an einem solchen Ort kann man ja nur böse werden, auch wenn man vorher nichts Schlimmes getan hat. Schnurrebarbe ist stolz und unterstützt ihn mit guten Ratschlägen.


Als nächstes führt Hr. Trommelpfiff Tistou in das Barackengebiet der Stadt. Dort soll Tistou lernen, dass man arbeiten muss, etwas leisten muss, um etwas wert zu sein. Er sieht nur Elend und weiß er muss handeln. Durch Tistou nächtlichen Ausflug zieht dann das Glück in das Barackengebiet ein.


Nun ist das Krankhaus an der Reihe. Dort trifft er auf Dr. Vielübel.

„Medizin kann nicht viel helfen, wenn das Herz traurig ist. Und ich habe gelernt, dass man Lust zum Leben haben muss, um gesund zu werden.“

„Man muss die Menschen sehr lieben, um ihnen helfen zu können.“


Er lernt dort ein Mädchen kennen, dass nicht laufen kann, obwohl kein medizinischer Grund vorliegt.

Tistou ist der Meinung, sie braucht einen Grund, um Leben zu wollen und „zaubert“ ihr ein Blumenparadies auf Ihre Bettdecke.


All diese Erfahrungen machen Tistou sehr nachdenklich und seine Eltern meinen, dass er lieber spielen gehen sollte und sich wie ein richtiges Kind verhalten. Also schicken sie ihn in den Zoo, aber... ach, die armen Tiere sind so weit weg von ihrer Heimat und langweilen sich sehr. Also macht Tistou auch hier von seinen Daumen gebrauch und die Tiere viel glücklicher!


Krieg. Tistou erfährt von den Schrecken und Folgen eines Krieges und der herrschende Konflikt verschärft sich.


Erklärungsversuche von Hrn. Trommelpfiff zum Krieg in der Fabrik mit Vorstellung der anstehenden Waffenlieferung enden mit den Worten „ein abscheuliches Geschäft“. Tistous entsetzen folgt eine schallende Ohrfeige und große Sorgen bei Mr. Papa. Tistou handelt nichtsdestotrotz und wucherndes Grün überall macht den Krieg unmöglich und die Blumenschlacht endet im Frieden.


Alles steht Kopf, „so sind sie die Erwachsenen, dachte er, Herr Trommelpfiff hat mir versichert, dass niemand den Krieg will, sondern dass der Krieg ein unvermeidliches Übel wäre, gegen das man sich nicht wehren könnte. Nun sollten sie doch eigentlich froh sein, dass ich den Krieg verhindert habe. Aber nein- sie werden wütend!“ Tistou fasst sich ein Herz und beschließt seinen Vater einzuweihen. Tistou erkannte, dass man das Leben der Erwachsenen von Grund auf durcheinanderbringen konnte, indem man Blumen in gemalten Kanonenmündungen entstehen ließ.


Die Fabrik lag still, das Vertrauen war erschüttert, aber Tistou ins Gefängnis stecken war auch keine Lösung.

„Hr. Trommelpfiff konnte den Gedanken nicht ertragen, Tistou in Sträflingskleidung auf dem Gefängnishof im Kreise herumlaufen zu sehen, mochte das Gefängnis nun mit Blumen geschmückt sein oder nicht. Ins Gefängnis sperren, das hält man für richtig, solange es sich nicht um Menschen handelt, die man persönlich kennt. Aber wenn es sich beispielsweise darum dreht, einen kleinen Jungen ins Gefängnis zu stecken, den man liebt – das ändert die Sache. Und hier kommen wir auf etwas, was bestimmt niemand vermutet hat: trotz aller Aufregung, trotz der Fünfen und trotz der Ohrfeige – sobald vom Gefängnis die Rede war, spürte Hr. Trommelpfiff, dass er Tistou sehr gern hatte, dass er sogar richtig an ihm hing und dass er es nur schwer ertragen hätte, ihn nicht mehr zu sehen. Aber so sind sie, die Leute – besonders die, die so laut schreien.“


An dieser Stelle könnte man meinen, dass es doch ein schönes Ende für dieses Buch wäre, wenn Tistou sich mit Mr. Papa verträgt, und die Waffenfabrik schließt.

Aber nein, Schnurrebarbe stirbt.


„Für Tistou hatte die Sonne ihren Glanz verloren. Die Wiesen erschienen ihm schwarz, die Luft zu schwer zum Atmen. (Das sind die Anzeichen eines Unbehagens, von dem die Erwachsenen glauben, sie hätten allein damit zu tun,. Aber auch die kleinen Menschen in Tistous Alter kennen das. Man nennt es Kummer).

Tistou schlang seine Arme um den Hals des Ponys und weinte lange in die buschige Mähne hinein. „Weine nur, Tistou, weine nur, sagte Turner leise, das ist nötig und gut. Die Erwachsenen glauben immer, sie dürften nicht weinen – das ist falsch, denn dadurch frieren die Tränen im Innern, und sie bekommen ein hartes Herz.“


Die Weisheit der Kinder verblüfft mich immer wieder. Und doch versuchen wir ständig, ihnen unser Denken aufzunötigen, und/oder nehmen sie nicht für voll. Sie wissen, was wir oft nur erahnen und lange vergessen haben. Sie sehen mit dem Herzen und haben keine Vorurteile oder vorgefertigten Meinungen.

Nur beim Lesen der letzten Zeilen steigen mir schon wieder die Tränen in die Augen. Dieses Buch ist unendlich wertvoll und ich wünsche mir, dass es möglichst viele Menschen mit dem Verstand und dem Herzen lesen. Bücher erweitern unseren Horizont, unser Denken, und machen unsere Welt besser! Und dies ist mein Beitrag für eine bessere Welt.

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