top of page

Geschenke, die nicht rumstehen: Ideen für alle, die schon alles haben.

Martina Hirte-Schwab
vor 1 Tag
7 Min. Lesezeit

Ich bin in den 90ern groß geworden, und damals bekam gefühlt jede und jeder zum Geburtstag dasselbe: Gläser. Bei uns hießen sie nur „die Leonardo-Gläser“. Zwei Stück auf einem kleinen Metalltablett, dazu Spiralstrohhalme und Rührstäbchen aus Plastik, und das Ganze in Folie verpackt, mit Schleifen, Bändern und allem Drum und Dran. Plastik, Plastik, Plastik.


Ich habe mich natürlich brav bedankt. Und dann? Bei vielen stand so ein Set danach jahrelang im Regal, noch in der Folie, und den Aufkleber hat natürlich auch niemand abgemacht. Ehrlich gesagt kenne ich niemanden, der diese Gläser jemals benutzt hat. Weggegeben hat sie aber auch keiner. Das hätte sich ja angefühlt, als würde man die Schenkenden gleich mit weggeben.


Und das ist keine Erfindung der 90er. In meinem Pop-up HerzensDinge hatte ich feine Porzellan-Gedecke: Tasse, Untertasse und Teller. Und ganz viele Kund:innen haben mir erzählt: "So eins habe ich zur Kommunion bekommen." Gefühlt hat die ganze Generation so ein Gedeck bekommen. Das war sozusagen das Leonardo-Glas der 50er Jahre - und auch das steht bei vielen bis heute im Schrank


Wenn ich heute zu Menschen nach Hause komme, sehe ich solche Dinge ständig. Nicht immer sind es Gläser, aber fast immer ist es dieselbe Geschichte: ein Geschenk, das niemand wirklich wollte und das trotzdem bleibt. Und je näher Weihnachten rückt, desto mehr frage ich mich: Muss das eigentlich so sein?


Kurz erklärt: Geschenke, die nicht rumstehen


Das sind Geschenke, die nach dem Auspacken nicht im Regal landen, sondern erlebt, verbraucht oder genutzt werden: gemeinsame Zeit, ein Erlebnis, etwas Selbstgemachtes oder Leckeres, Hilfe im Alltag. Sie passen besonders gut zu Menschen, die schon alles haben – und zu allen, die keinen Platz mehr für „noch ein Ding“ haben.


Warum Geschenke oft mehr Druck machen als Freude


Eigentlich ist Schenken etwas Wunderschönes. Jemand denkt an dich und möchte dir eine Freude machen. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass Geschenke mehr Druck machen als fast alles andere.


Das fängt schon beim Schenken an. Kennst du diese leise Stimme im Kopf? "Ich kann doch nicht mit leeren Händen kommen." Und wenn sie mir etwas schenkt, sollte mein Geschenk auch ungefähr gleich viel wert sein. Die Psychologie nennt das die Reziprozitätsnorm – die tief in uns verankerte Regel, dass auf eine Gabe eine Gegengabe

folgen muss. Und genau deshalb fühlt sich ein Geschenk oft weniger wie eine Freude an als wie eine Verpflichtung.


Und dann geht der Druck nach dem Auspacken weiter. Denn wer möchte schon undankbar sein? Also bleibt das Ding, auch wenn es nicht passt. In einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom aus dem Jahr 2025 gab mehr als jede und jeder Fünfte an, ungeliebte Weihnachtsgeschenke einfach zu behalten. So füllen sich mit den Jahren ganze Schränke mit Sachen, die eigentlich keiner wollte.



Was die Forschung über Geschenke weiß – und uns selten bewusst ist


Ich finde die folgenden zwei Erkenntnisse wirklich spannend, weil sie so vieles erklären.


Erstens: Wer schenkt, denkt an den Moment. Wer beschenkt wird, denkt an die Zeit danach. 

Forschende der Carnegie Mellon University haben 2016 gezeigt, dass Schenkende sich vor allem die Überraschung beim Auspacken vorstellen – das Leuchten in den Augen.

Die Beschenkten dagegen fragen sich: Kann ich das brauchen? Werde ich es benutzen?


Genau da liegt das Missverständnis. So ein Gläserset war beim Auspacken sicher ein hübscher Moment. Nur kamen danach bei vielen eben Jahre im Regal.


Zweitens: Ein Wunschzettel ist nicht unpersönlich. 

Viele haben das Gefühl, ein gewünschtes Geschenk sei langweilig und zeige weniger Mühe. Eine Studie von Forschenden aus Stanford und Harvard (2011) kam aber zu einem anderen Ergebnis: Menschen freuen sich über das, was sie sich gewünscht haben, deutlich mehr, als die Schenkenden glauben. Fragen ist also kein Zeichen von Einfallslosigkeit – sondern von Respekt.


Und noch etwas: Erlebnisse verbinden. Laut einer Studie im Journal of Consumer Research (2016) stärken Erlebnisgeschenke die Beziehung mehr als Gegenstände. Trotzdem hatten 78 Prozent der Befragten zuletzt ein Ding verschenkt.



Wie es anders gehen kann: unsere Regeln in der Familie


Bei uns hat sich das über die Jahre ganz gut eingespielt. Als unsere Tochter auf die Welt kam, haben wir mit den Großeltern direkt eins geklärt: kein Polyester. Das klingt vielleicht streng, hat uns aber eine Menge Kleidung erspart, die nie getragen worden wäre.


Unter uns Erwachsenen schenken wir uns schon lange nichts mehr, wir wichteln. Jede und jeder bekommt ein Geschenk, und alle können sich darauf konzentrieren, dass es wirklich passt. Und die Großeltern schenken nur noch den Enkelkindern.


Das Schönste daran: Weihnachten ist dadurch nicht ärmer geworden, sondern entspannter. Weniger Einkaufsstress, weniger Verpackungsberge, mehr Zeit füreinander.


Natürlich muss das nicht bei allen genauso aussehen. Wichtig ist nur, dass man überhaupt einmal darüber spricht. Und genau da hakt es oft, denn wie sagt man so etwas, ohne dass jemand gekränkt ist?


Tipp: Diese Sätze darfst du gern übernehmen


Für die Familie: "Ich freue mich so auf unsere gemeinsame Zeit an Weihnachten. Wollen wir dieses Jahr wichteln, statt dass alle allen etwas schenken?“


Für die Großeltern: „Die Kinder haben schon so viel. Am meisten freuen sie sich über Zeit mit euch. Wie wäre ein gemeinsamer Ausflug statt eines Pakets?“


Für die Freundin: „Wollen wir uns dieses Jahr nichts schenken und stattdessen zusammen etwas unternehmen?“


Wenn dich jemand fragt, was du dir wünschst: "Ehrlich? Am liebsten etwas, das nicht rumsteht. Zeit mit dir, etwas Leckeres – oder etwas, das ich erleben kann.“


Das passende Geschenk: Wer bist du – und wer bin ich?


Ich glaube, viele Geschenke gehen nicht deshalb schief, weil sich jemand keine Mühe gibt. Sondern weil zwei wichtige Fragen untergehen: Wer ist die Person, die ich beschenke? Und wer bin ich, die schenkt?


Wenn ich gern backe und du gern bastelst, dann schenke ich dir eben etwas Gebackenes – und du mir etwas Gebasteltes. Aber Achtung: Es muss auf beiden Seiten passen. Wenn ich gern backe, mein Gegenüber aber nur Herzhaftes isst, dann bringt ihm mein schönster Stollen nichts. Dann überlege ich mir eben etwas anderes – oder backe ausnahmsweise herzhaft. 😉


Das passende Geschenk liegt genau dort, wo sich beides trifft: was ich gern gebe – und was dem anderen wirklich Freude macht.



Geschenke, die nicht rumstehen: Ideen für jeden Typ


Für alle, die gern selbst etwas machen

Ich habe früher zum Beispiel gern Pralinen gemacht und verschenkt. Genauso schön sind selbstgemachtes Badesalz, ein Gewürz- oder Kräutersalz für alle, die lieber herzhaft essen, eingemachte Marmelade oder ein selbstgebackenes Brot. Das sind Geschenke, die man genießt und die danach Platz machen für die nächste Freude.


Für alle, die gern etwas erleben

Ich verschenke oft Konzerte oder andere Erlebnisse. Zum Hochzeitstag habe ich meinem Mann gerade wieder Konzertkarten geschenkt. Die stehen jetzt bei uns im Eingang und warten darauf, eingelöst zu werden. Und genau das ist das Schöne daran: Die Vorfreude gehört schon zum Geschenk. Studien zeigen übrigens, dass wir uns auf Erlebnisse schöner freuen als auf Dinge. Und hinterher muss nichts abgestaubt werden. Auch eine Übernachtung, ein Tag in der Therme mit Freundinnen, ein Kochkurs oder Theaterkarten sind wunderbare Erlebnisgeschenke. Wer etwas sucht, findet auf Erlebnisportalen inzwischen eine riesige Auswahl, aber oft ist das Schönste ganz in der Nähe.

Eine Freundin und ich machen es übrigens so: Wir schenken uns gar nichts. Stattdessen fahren wir einmal im Jahr gemeinsam weg. Das ist für mich viel, viel wertvoller als alles, was ich auspacken könnte.


Für alle, die Zeit und Hilfe brauchen

Gerade für ältere Menschen ist Zeit oft das schönste Geschenk: einen Nachmittag gemeinsam kochen, im Garten helfen, die Fenster putzen oder einfach regelmäßig zum Kaffee vorbeikommen. Manchmal lohnt es sich, auch ein paar Stunden für die Dinge zu verschenken, die liegen bleiben.


Für alle, die Genuss lieben

Gutes Olivenöl, Kaffee von der kleinen Rösterei um die Ecke, ein besonderer Tee, ein Blumen-Abo – Dinge, die man aufbraucht und dabei genießt. Hier in Aschaffenburg und Umgebung gibt es so viele kleine Läden und Hofläden, in denen man solche Schätze findet.


Für alle, denen Erinnerungen wichtig sind

Alte Fotos digitalisieren lassen, die Familienrezepte von Oma in ein kleines Heft schreiben oder die Großeltern ihre Geschichte erzählen lassen und sie aufnehmen. Das sind Geschenke, die bleiben, ohne Platz zu brauchen.


Für alle, die wirklich schon alles haben

Eine Spende in ihrem Namen an eine Herzensorganisation, eine Jahreskarte für den Zoo, das Museum oder das Schwimmbad. Oder ein klarer Anfang zuhause, für alle, die schon lange sagen: „Ich müsste da mal …“. Dafür gibt es bei mir den KlarRaum-Gutschein. Ganz wichtig dabei: Verschenk so etwas nur, wenn sich die Person das selbst wünscht. Sonst kommt schnell die Frage auf: „Findest du etwa, bei mir ist es unordentlich?“ Und das wäre das Gegenteil von dem, was ein Geschenk sein soll.



Häufige Fragen


Was schenke ich jemandem, der schon alles hat?

Am besten etwas, das nicht rumsteht: gemeinsame Zeit, ein Erlebnis, etwas Selbstgemachtes oder etwas Leckeres zum Genießen. Wenn du unsicher bist, frag ruhig n

ach. Studien zeigen, dass sich Menschen über Gewünschtes mehr freuen, als die Schenkenden glauben.


Ist ein Wunschzettel unpersönlich?

Nein. Ein Wunschzettel zeigt, dass du wirklich wissen willst, was dem anderen Freude macht. Die Überraschung ist vor allem für die Schenkenden wichtig. Die Beschenkten freuen sich vor allem über etwas, das sie brauchen können.


Wie schlage ich meiner Familie vor, weniger zu schenken?

Am besten frühzeitig, freundlich und mit einem konkreten Vorschlag, zum Beispiel Wichteln, nur die Kinder beschenken oder gemeinsam etwas unternehmen. Wer einen Vorschlag mitbringt, wirkt nicht wie jemand, der etwas wegnimmt, sondern wie jemand, der etwas Neues anbietet.


Sind Erlebnisgeschenke besser als Sachgeschenke?

Nicht immer, denn es kommt auf die Person an. Studien zeigen aber, dass Erlebnisse Beziehungen oft stärker verbinden und dass wir uns auf sie schöner freuen als auf Dinge.



Jetzt bist du dran


Vielleicht ist das schönste Geschenk in diesem Jahr eins, das in zehn Jahren nicht verpackt im Regal steht, sondern als Erinnerung in deinem Kopf weiterlebt.


Und wenn du merkst, dass sich bei dir zuhause schon zu viele „Gläser mit Schirmchen“ angesammelt haben und du gern einmal mit jemandem darauf schauen möchtest: Im kostenlosen Erstgespräch finden wir heraus, welcher Weg zu dir passt.


Quellen: Bitkom-Umfrage zu Weihnachtsgeschenken, 2025 (1.002 Befragte ab 16 Jahren) · Galak, Givi & Williams, Carnegie Mellon University, 2016 · Gino & Flynn, Journal of Experimental Social Psychology, 2011 · Chan & Mogilner, Journal of Consumer Research, 2016 · Kumar, Killingsworth & Gilovich, Psychological Science, 2014 · Lexikon der Psychologie (Spektrum): Reziprozitätsnorm

Kommentare


Aktimistin Logo; bunt, aktiv und lebensfroh

Begleitung bei persönlichen Übergängen, Verkleinerung, Nachlass und Entscheidungen rund ums Zuhause in Aschaffenburg & Umgebung.

Martina Hirte-Schwab

Goethestraße 20

63739 Aschaffenburg

E-Mail: hallo@tinahirte.de

© 2026 Tina Hirte

bottom of page